… eine blühende Gemeinde wird zerstört

Hauskreis

 

Chronologie des Konfliktes

 

1. Bibelstunden

Im Jahr 2003 befragt der Vorsteher Priester R.K. die Gemeinde nach Wünschen zum Jahresprogramm. Die häufigste Nennung erhält nicht das Laternelaufen, sondern – man staune – der Wunsch nach Einrichtung von Bibelstunden. Es ist das Jahr der Bibel, also wenn nicht jetzt, wann denn dann?

Die Sache wird AP KH. Schumacher vorgetragen. Dieser stimmt zu, unter der Bedingung, dass es sich hierbei nicht um einen einmaligen Abendtermin, sondern um eine kleine Reihe als Probeveranstaltung handelt. Dieser Wunsch kommt dem Empfinden der Gemeinde entgegen. Außerdem soll stets ein priesterliches Amt die Stunden leiten. Es folgt der Hinweis, dass die Teilnahme freiwillig sei und keinesfalls einen Gottesdienst ersetzen könne.

Zur Auftaktveranstaltung im März erscheinen 26 Interessierte in der Kirche, das ist ein Großteil der erwachsenen aktiven Gemeindemitglieder. Man einigt sich auf eine erste Probereihe von sieben Abenden, in denen die Bergpredigt besprochen werden soll. Die Gruppe wird in zwei Hauskreise aufgeteilt. Die Resonanz ist bestens: Nach sieben Abenden wird einstimmig beschlossen, die Bibelstunden fortzusetzen. Nach Beendigung des Themas Bergpredigt wollen alle Teilnehmer weitermachen.

Die Freude an der Lektüre des „Originals“ wächst: Zu viel hatte man sich bisher mit Sekundärliteratur beschäftigt. Nun liest man längere Texte am Stück, beginnt Zusammenhänge besser zu verstehen und falsche, punktuelle Auslegungen als solche zu erkennen. Im Gottesdienst erzeugt ein Wieder-erkennen der – traditionell kurz gehaltenen – „Textworte“, ein Verstehen des textlichen Zusammenhangs, eine gewisse Freude am „Lernfortschritt“. Auch die Sicht des Nächsten ist wertvoll: Gemeinsam verborgene Schätze entdecken, das ist faszinierend. Dabei entsteht auch eine intensivere Gemeinschaft, die nicht bei allen Geschwistern nur positiv gesehen wird. Denn es ist ein wenig, wie eine Hausaufgabengruppe in der Schule: Alle können kommen, aber nur die Teilnehmer verbindet neben der gemeinsamen Erarbeitung eines Themas am nächsten Morgen in der Schule ein wenig mehr: Man hat sich besser kennen gelernt, zusammen gelacht, um Lösungen gerungen und Erfolge erzielt. Dies wird von den „Einzelkämpfern“ schnell einmal als cliquenhaft, vielleicht gar als elitär empfunden, weil eine intensivere Gemeinschaft entstanden ist. Das aus der Begeisterung geäußerte „Komm doch auch einmal!“ wird nicht von jedem Gemeindemitglied als wohltuend empfunden…

Als Begleitliteratur dienen Arbeitshefte aus dem Brunnen-Verlag, welche überkonfessionell auf die Bibelarbeit in Kleingruppen zugeschnitten sind. AP KH. Schumacher, dem die Hefte zur Prüfung vorgelegt werden, äußert keine Beanstandungen.

Die Bibelstunden werden zur gut besuchten Dauereinrichtung. Auch Gäste und Geschwister anderer Gemeinden nehmen an den Bibelstunden teil. Letztere fragen beim BAP W. Leber zur Bibelarbeit an und werden ermutigt, solche Abende auch in der eigenen Gemeinde durchzuführen.

Im September 2004 besucht AP R. Krause – zu dieser Zeit noch im Bischofsamt –eine Bibelstunde und ist sehr angetan: Jeder Gemeinde wünsche er einen solchen Kreis, leider sei dies aber nicht in jeder Gemeinde durchführbar. Alles ist gut.

Die Nachfrage steigt. Aus zwei werden drei Hauskreise. Bei jedem neuen Thema werden die Gruppen neu ausgelost, um eine gute „Durchmischung“ zu erzielen. Die Kinder erbitten eine Kinderbibelstunde“, die ebenfalls nach kurzer Einführungsphase zur Dauereinrichtung wird.

Doch dann kommt die Wende.

 

2. Gesinnungsprüfung Priester O.J.

Hatte man sich aus anderen Gemeinden an den Blankeneser Bibelabenden gerne beteiligt, wollte man nun eigene Abende veranstalten. Im Dezember 2004 findet eine Bibelstunde in Moorrege im Apostelbezirk Drave statt, mit Geschwistern aus Uetersen und Blankenese. Die Veranstaltung ist mit dem dortigen Vorsteher Hirte R.J. und dem zuständigen Bezirksältesten W. abgesprochen. In der Folgezeit kommt es zu etlichen weiteren Treffen.

Anfang 2006 wendet sich Priester O.J. an AP W. Drave, um ihm die Bibelarbeit vorzustellen. AP W. Drave nimmt die – BAP KH. Schumacher bereits vorliegende – Literatur entgegen und behält sich eine intensive Prüfung vor. Nachfolgend bittet er Priester O.J. zu einem weiteren Gespräch, an welchem auch AP R. Krause und Bezirksältester J.Steinbrenner teilnehmen. Priester O.J. wird erklärt, dass die verwendete Literatur Hinweise insbesondere zum Apostelamt enthalte, die nicht mit der Neuapostolischen Lehre übereinstimmten. Dass dies auch in jeder Erklärungsbibel so sei, überzeugt ihn nicht als Gegenargument. Priester O.J. wird im Verlauf des Gespräches immer intensiver zu seiner eigenen Auffassung und zu seiner Akzeptanz der neuapostolischen Dogmatik befragt. Er erklärt, dass er die Heilsnotwendigkeit des Apostelamtes und die Exklusivitätslehre der NAK in der derzeitigen Fassung nicht teilen könne und dass er mit Sorge sehe, dass Jesus Christus zu Gunsten des Apostelamtes in den Hintergrund geraten sei. Es kommt zu weiteren Gesprächen, zuerst mit AP R. Krause, dann zusätzlich mit BAP KH. Schumacher.

Immer drängender wird die Aufforderung an Priester O.J., sein Amt niederzulegen. Schließlich wird er vor die Wahl zwischen Amtsenthebung und Beurlaubung gestellt. Er stimmt daraufhin der Beurlaubung unter der Bedingung zu, dass für etwa ein Jahr weitere Gespräche mit dem Apostel unter Anwesenheit von Evangelist W.N. über die Glaubensinhalte stattfinden. Er erhofft sich einen ehrlichen Austausch über die neuapostolischen Glaubensgrundlagen auf der Basis der Heiligen Schrift. Am 11. Mai 2006 wird der Gemeinde bekannt gegeben, dass Priester O.J. beurlaubt wurde.

Die Gemeinde ist zutiefst getroffen.

Eine Vielzahl von Geschwistern der Gemeinde schreibt dem Apostel und dem Bezirksapostel Briefe, in denen sie ihre Enttäuschung und Traurigkeit über die Entreicherung des Amtsträgerkreises bekunden. Besonders Priester O.J. habe sich durch seine tiefgründigen, von großer Gottesliebe und Bibelnähe geprägten Gottesdienste ausgezeichnet und im Übrigen niemals Predigtbeiträge gebracht, welche den NAK-Dogmen widersprochen hätten.

 

3. Kontakte zur Anskar-Kirche

Bevor die Angst im Abendrothsweg (Sitz der Kirchenverwaltung Hamburg) um sich griff und schließlich handlungsbestimmend wurde, waren bereits Kontakte mit der evangelisch-freikirchlichen Anskar-Kirche entstanden. Über einen Bruder in Blankenese war ein geistlicher Austausch entstanden, welcher bereichernd und begeisternd zugleich war. Einer der Pastoren der Anskar-Kirche – M. Auras – überwand alle Berührungsängste und ging in einer frischen Mischung aus Gottvertrauen und Nächstenliebe auf die Kirchenleitung der NAK Norddeutschland zu. Es kam in verschiedenen Gesprächen im Abendrothsweg, an welchen neben Pastor Auras teilweise auch der Leiter und Gründer der Anskar-Kirche – Pastor Wolfram Kopfermann – sowie BAP W. Leber, AP W. Drave und Bezirksältester J.Steinbrenner teilnahmen, zum geistlichen Austausch. Man begegnete sich mit Respekt und erkannte, dass man „von anderen Kirchen viel lernen könnte.“

Näheres zu Kontakten zwischen NAK und Anskar-Kirche finden Sie auf gk und naktuell

Als STAP R. Fehr in Cuxhaven einkehrte, kam es zu einem kurzen Gedankenaustausch mit Pastor Auras, welcher mit der Aufforderung des Stammapostels an BAP W. Leber endete, diesen Kontakt zu vertiefen.

Eine Besonderheit in der Basisarbeit der Anskar-Kirche ist der sog. „Grundkurs des Glaubens“, welcher junge Christen oder solche, die sich auf dem Weg ins Christsein befinden, mit den Grundlagen der Erlösung vertraut macht. Über diesen Kurs, welcher zumeist von Freitagabend bis Sonntagabend reicht, hat die Anskar-Kirche bereits eine Vielzahl von Menschen erreicht. Viele Teilnehmer haben sich zum Herrn bekehrt und Jesus ihr Leben übergeben. Dies muss als echter, missionarischer Erfolg bezeichnet werden und unterscheidet sich grundlegend von einer Konfessions-(ab)werbung, weil sie unabhängig und konfessionsübergreifend Menschen zu Jesus führt.

An diesem Grundkurs nahmen auch verschiedentlich Geschwister der Gemeinde Blankenese teil, unter anderem Priester O.J. Dieser wandte sich begeistert an Bezirksapostel Leber, erläuterte die Vorteile eines solchen Kurses und regte an, gleiches auch in der NAK einzuführen. Auf Bitten des Bezirksapostels nahm Bezirksältester J.Steinbrenner an einem solchen Kurs teil, ohne jedoch den Wert einer solchen Einrichtung zu schätzen („Dies habe ein neuapostolischer Christ nicht nötig.“) Dennoch regte BAP W. Leber gegenüber Priester O.J. die Einführung eines solchen Kurses an. Der Bezirksälteste weigerte sich jedoch, diesem Ansinnen zu entsprechen („Ich lass mir doch nicht von solch einem Hansel (gemeint war Priester O.J.) vorschreiben, was ich in meinem Bezirk zu tun habe. Das hat er dem Bezirksapostel in den Mund gelegt, das mache ich nicht.“) Offiziell lautete die Begründung, dass es derzeit so viel Projekte im Bezirk gebe, dass man nicht noch ein weiteres in Angriff nehmen wolle. Eine Chance zur echten Mission war vertan.

Gemeindesaal

 

4. Kinderbibelstunde

Einige Kinder hatten schon ein bisschen in die Bibelstunden der Erwachsenen reingeschnuppert und hierdurch entstand der Wunsch, es selbst auszuprobieren. In einem kleinen Brief an den Vorsteher R.K. fragten sie, ob es nicht auch eine Kinderbibelstunde geben könnte. So trafen wir uns zum ersten Mal mit 10 Kindern im Alter von 10-14 Jahren in unserem Gemeindesaal und sprachen zunächst über unsere Vorstellungen und Wünsche an eine Kinderbibelstunde. Die meisten Kinder interessierten sich für eine intensive Arbeit mit der Bibel, Rundgebete und offene Gespräche über unseren Glauben. Damit hatten wir nicht gerechnet, denn die Kinder besuchten ja zusätzlich auch die Sonntagsschule, den Religionsunterricht oder den Konfirmandenunterricht. Umso überraschter waren wir dann auch von ihren zeitlichen Vorstellungen: Die Kinder wollten sich jede Woche treffen, wir hatten an nur einmal monatlich gedacht. Wir einigten uns dann auf einen zweiwöchigen Rhythmus.

Die erste Stunde war sehr beeindruckend: Die Kinder waren mit viel Eifer, Neugierde, Interesse und kindlichem Glauben bei der Sache, aber vor allem mit großer Begeisterung. Hiermit steckten sie uns Kursleiterinnen geradezu an. Oft reichten die veranschlagten zwei Stunden nicht aus und die Eltern mussten manchmal auf ihre Kinder warten. Als Arbeitsmaterial und Anleitung benutzten wir Hefte aus dem Brunnen Verlag, die sehr gut angenommen wurden. Zu jedem Kapitel gibt es Einführungsfragen, ein Spiel und am Ende noch eine Selbsteinschätzung zu der bearbeiteten Geschichte. Durch persönliche Fragen zu Gefühlen und Erfahrungen entstand ein intensives Gruppengefühl. Zum Ende der Stunde beteten wir in Form des Rundgebetes, im Wechsel in kleineren Gruppen oder auch in der großen Runde. In diesen Momenten kamen wir uns besonders nahe.

Als Gruppenleiterinnen war es uns sehr wichtig, die Kinder niemals unter Druck zu setzen. So erklärten wir ihnen immer wieder neu, dass sie sich zu jedem Besuch, ganz ihrer Lust entsprechend, frei entscheiden könnten. Die Kinder wurden nicht müde uns zu erwidern, dass unsere Sorge völlig unbegründet sei. Alle waren begeistert. Umso mehr verwunderte es uns, dass Apostel R. Krause mit den Anleiterinnen der Kinderbibelstunde sprechen wollte. Sollte allein der Umstand, dass es sich um eine neue Veranstaltung handelte, Anlass für dieses Treffen sein?

Zu dem Gespräch erwartete uns nicht nur der Apostel, sondern auch der Bezirksevangelist, der Bezirksälteste und unser Vorsteher. Irgendwie erschien mir die Anzahl der anwesenden Bezirksämter überdimensioniert, als hätten wir „etwas Schlimmes getan“. Der Apostel transportierte schon zu Beginn des Gespräches eine seltsame Stimmung, als sollte diese Angelegenheit geklärt und damit auch abgehakt werden. Kritisch äußerte sich der Apostel zu den Arbeitsunterlagen und zu der Art unserer Arbeit. Viele Fragen in dem Heft seien zu persönlich und würden die Kinder zu stark unter Druck setzen, dies sei ja psychischer Druck, wie bei den Scientologen...(Zur Erklärung: Dabei ging es konkret um Fragen zu den Gleichnissen, z. B.: „als wen siehst du dich in der Geschichte?. Bist du eher der verlorene Sohn, der Vater oder der brave Sohn?“ Die Fragen sind dem jugendlichen Sprachstil angepasst.) Aber genau diese persönlichen gezielten Fragen hatten die Kinder angesprochen und zur Diskussion untereinander angeregt. Auch aus meiner persönlichen beruflichen Erfahrung in der Arbeit mit Kindern hielt ich genau diese Art des persönlichen Zugangs nicht nur für üblich, sondern auch für nötig.

Wir versuchten dem Apostel zu erklären, dass es den Kindern selbstverständlich freigestellt war, sich zu äußern. Doch ohne Erfolg, der Apostel unterstellte sogar, dass die Kinder nur in die Bibelstunde gingen, weil es auch ihre Eltern taten. Das entsprach aber schon insofern nicht den Tatsachen, weil gar nicht alle Eltern der teilnehmenden Kinder Bibelstunden besuchten. Auch wurde die Bibelstunde ja auf Wunsch der Kinder, teilweise sogar gegen die Skepsis der Eltern, eingerichtet. Die echte Begeisterung der Kinder, die uns selbst so beeindruckt hatte, war für den Apostel nicht vorstellbar und er bezweifelte auch ihre Freiwilligkeit. Trotz allem endete das Gespräch relativ freundlich. Wir hatten zugestimmt, die zu evangelikalen Brunnenhefte nicht mehr zu benutzen, und uns ohne spezielle Arbeitmittel den Gleichnissen der Bibel zuzuwenden. Traurig waren wir, dass unsere so inhaltsreiche und freudige Arbeit mit den Kindern in Misskredit geraten konnte, freuten uns aber, dass die Bibelstunden weiter stattfinden durften.

Zurzeit können die Bibelstunden aus unterschiedlichen Gründen leider nicht mehr stattfinden, viele Kinder haben die Gemeinde verlassen und auch die Motivation der Anleiterinnen ist stark gesunken.

 

5. Unsere Gemeindezeitung

Die Gemeindezeitung “Bei uns in Blankenese” war ursprünglich eine attraktive und sinnvolle Erfindung unseres damaligen Vorstehers Priester R.K. Die erste Ausgabe erschien am 7. Jan. 2001 in einer Startauflage von 100 Stück. Sie bestand aus einem einzigen DIN A4-Blattt mit 3-facher Patentfaltung, dadurch hatte sie in jeder Tasche Platz. Sie gab in authentischer Weise das wieder, was in der Gemeinde lief, gelaufen oder in Planung begriffen war. Die ersten Themen waren unter anderem ein Kurzbericht des Apostelgottesdienstes vom 17.12.00 in der Gemeinde mit Vorstellung der beiden neu eingesetzten Unterdiakone, sowie einem Bericht über die Einführung der Luther-Bibel in der Fassung von 1984. Dem ersten Redaktionsteam gehörten 6 Geschwister an, Schriftleiter war der Vorsteher.

Sein Nachfolger in der Schriftleitung Bruder F.S. legte Wert darauf, auch über den Tellerrand der Gemeinde bzw. Kirche hinauszublicken und versuchte entsprechende Artikel, die auch christliches Allgemeingut widerspiegelten, in der Gemeindezeitung zu platzieren. Die neu geschaffene Rubrik „Gehört-Bewegt-Behalten“ wurde fester Bestandteil, Gedanken von christlichen Autoren und Geistlichen wie Dietrich Bonhoeffer, wurden gern gelesen und regten zum Nachdenken an. Auch von konfessionsübergreifenden Ereignissen, wie der Aktionswoche „ProChrist 2003“ oder einem Besuch von Pastor Markus Auras in einer unserer Bibelstunden konnte man lesen.

Durch regelmäßige Umfragen wurden Leserwünsche für Inhalt und Gestaltung erfragt und auch umgesetzt. Über die Ergebnisse von Vorsteher-, Ämter- und Funktionsträgerversammlungen wurde ebenso berichtet, wie über Gemeindeaktivitäten und Gottesdienste. Informationen über Ereignisse im Kirchenbezirk, erfolgten aus Platzgründen zumeist nur im Telegrammstil. Die Beiträge und Leserbriefe von Gemeindemitgliedern legten beredtes Zeugnis über die Akzeptanz in der Gemeinde ab. Es war eben eine richtige Gemeindezeitung.

Als diese von der Gemeinde angenommene Form auf ausdrücklichen Wunsch der Kirchenleitung 2004 nicht mehr gefragt war, veränderte sich das Gesicht der Gemeindezeitung in Form und Inhalt enorm. Die vollständig andere Form, welche im ganzen Bezirk einheitlich eingeführt wurde, wurde von vielen als „Gleichschaltung“ empfunden. Jede Ausgabe musste fortan dem BÄ J. Steinbrenner als „Verantwortlichem im Sinne des Hamburger Pressegesetzes“ vorgelegt werden, es erfolgte eine zunehmende Einflussnahme auf den Inhalt der Gemeindezeitung. Es entstand faktisch ein Mitteilungsblatt der Bezirksleitung mit kleinem Gemeindeanteil. Der Schriftleiter wurde zum Erfüllungsgehilfen der Bezirksleitung, ohne jegliche inhaltliche Gestaltungsmöglichkeit, was dann schließlich im Juni 2006 (nach langer “Leidenszeit”) nach 4 Jahren zum Rücktritt des Schriftleiters F.S. geführt hat. Verstärkend wirkte außerdem, dass z.B. Leserbriefe zur Beurlaubung von Priester O.J. zur Veröffentlichung nicht freigegeben wurden.

Die in der Novemberausgabe 2004 veröffentlichte, noch schmeichelhaft formulierte, Leserumfrage zum neuen Format spricht Bände. Zitat: „Der Gemeindeteil und die Infos aus dem Bezirk stoßen auf das größte Interesse, während „das Wort zum Monat“ meist nur kurz überflogen wird. Nicht wenige möchten auf diese Rubrik sogar vollkommen verzichten.“ 50% der Leser äußern sich zum neuen Format negativ oder sogar sehr negativ.

Z.Zt. ist die Gemeindezeitung stromlinienförmig im Sinne des konservativen Lagers ausgeprägt und so wird es wohl auch bleiben. Alles was darüber hinausgeht, auch im Sinne der Ökumene, scheint auf dem Index zu stehen. Das macht vordergründig dann Sinn, wenn man versteht, dass in sich geschlossene Systeme nur solange funktionieren, wie sie geschlossen sind.

Darunter leiden viele - auch Gemeindezeitungen.

Im Januar 2008 haben sich nur noch 25 Leser für ein Jahresabo entschieden…

 

6. Jugendarbeit

Zu Beginn des Jahres 1999 war einer der Blankeneser Amtsträger, Priester G.S. vom damaligen Berziksältesten W.B. gebeten worden, die Aufgabe des Bezirksjugendbeauftragten zu übernehmen.

Priester G.S. bemühte sich, eine evangeliumsbetonte Jugendarbeit zu fördern. Doch dieses Bemühen wurde durch den nachfolgenden Berziksältesten J.Steinbrenner nicht unterstützt. Letzterer forderte immer wieder eine Jugendpflege ein, welche die Exklusivität der NAK als „Werk Gottes“ zu betonen hatte. Auch das Bemühen seitens Priester G.S., die Jugend gemäß entsprechender Aufforderung des BAP W. Leber („Bibel statt Comic“ im Jugendauftaktgottesdienst am 7.1.2001) an das Lesen und Lieben der Bibel als Gottes Wort heranzuführen, scheiterte. Man habe ja selbst als Jugendlicher auch wenig in der Bibel gelesen. Darin zu lesen sei zwar gut, aber ebenso wichtig sei es, „Unsere Familie“ zu lesen, so der Bezirksälteste.

Auch fand der Versuch, die Gedanken von AP Kainz zur "Renaissance des Glaubens" im Jugendleiterkreis zu besprechen, keine Gegenliebe beim Bezirksältesten. Hatte er noch kurz zuvor das entsprechende Interview mit AP Kainz im Vorsteherkreis verteilt, so hatte ihn nun offensichtlich die Nachricht von „Oben“ erreicht, dass man es in Hamburg nicht nötig habe, Jesus wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Hier sei alles in Ordnung.

Ihren Abschluss fand die bezirkliche Jugendarbeit von Priester G.S. nach einem Jugendwochenende auf Sylt. Bei diesem „Kongress des Glaubens“ wurden Themenkreise des Glaubens in Form von Workshops erörtert. Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Ökumene wurde u. a. auch Priester G.S. vom Bezirksevangelisten H.G. auf die Bühne gebeten. Im Verlauf der Diskussion, in der auch die Frage erörtert wurde, ob der Heilige Geist in anderen Kirchen wirke, äußerte er die Überzeugung, dass dies nach seiner Erfahrung der Fall sei, dass er auch Christen anderer Konfession begegnet sei, welche spürbar vom Heiligen Geist getrieben seien und ihr Leben in beeindruckender Weise an Gottes Willen zu orientieren suchten.

Diese Äußerungen waren für den Bezirksältesten untragbar. Er hielt Priester G.S. vor, sich mit diesen Äußerungen von der neuapostolischen Lehre entfernt zu haben und beendete nach sieben Jahren die Zusammenarbeit auf Bezirksebene. Offiziell wurde der Jugend mitgeteilt, dass Priester G.S. überlastet sei und deshalb ein anderer (im Schichtdienst tätiger) Priester diese Aufgabe übernehmen würde. Nur am Rande klang an, dass es Differenzen in der Schwerpunktsetzung der Jugendarbeit gab. Auf Wunsch von BAP KH Schumacher sollte er jedoch in der gemeindlichen Jugendarbeit verbleiben.

Priester O.J., inzwischen amtsenthoben

 

7. Gesinnungsprüfung Priester G.S.

Einen Beitrag für die Gemeindezeitung, in welchem Priester G.S. seine Enttäuschung über die Beurlaubung von Priester O.J. zum Ausdruck brachte, nimmt AP R. Krause im Juli 2006 zum Anlass, auch ihn einer intensiven Gesinnungsprüfung zu unterziehen. Dabei stellt er fest, dass Priester G.S. nicht den Exklusivitäts­an­spruch der NAK teilt, soweit er sich auf die Sündenvergebung allein durch NAK-Apostel bezieht. Auch erkennt er die Heilsnotwendigkeit des Apostolats lediglich in Bezug auf die Mitglieder der NAK an, eine darüber hinausgehende Heilsnot­wen­dig­keit für Christen anderer Konfessionen möchte er nicht vertreten. Priester G.S. beruft sich vielmehr auf die Aussage von Uster, dass auch in anderen Kirchen vielfältige Elemente von Wahrheit zu finden seien. Wer zur Brautgemeinde gehört, entscheide nicht die Kirchenleitung, sondern Gott selbst. Am Ende des verhörartigen Gespräches fragt er nach den zu erwartenden Konsequenzen aus der Unterredung. AP R. Krause antwortet, dass er das Gespräch erst einmal auf sich wirken lassen wolle und zu gegebener Zeit mitteilen würde, wie es weitergehe. Im Anschluss an das Gespräch wird – in Abwesenheit von Priester G.S. – entschieden, dass dieser bis auf weiteres keine Gottesdienste mehr halten dürfe. Dem für die Gottesdiensteinteilung zuständigen Bezirksevangelisten H.G., wie auch dem Gemeindevorsteher Priester R.K. wird untersagt, diese Entscheidung zu kommunizieren.

Priester G.S. wendet sich schließlich an den Bezirksapostel. In verschiedenen Gesprächen kommt es zu einem intensiven Gedankenaustausch. BAP KH. Schumacher erbittet eine schriftliche Stellungnahme zu den Themenpunkten „Wirken des Heiligen Geistes“ und Sündenvergebung. Dieser Bitte kommt er mit seiner Stellungnahme vom 03.12.2006 nach.

 

8. Hilferufe

Der Druck auf die Gemeinde wächst. In einer spontan anberaumten Versammlung der Bibelstundenteilnehmer werden die Empfindungen und Sorgen der anwesenden Gemeindemitglieder deutlich. Man sucht nach Auswegen und stößt auf die Frage, ob dem Stammapostel wohl bekannt sei, wie hier Amtsträger im einzelnen und die Gemeinde als Ganzes behandelt wird. Man beschließt, einen Hilferuf an den Stammapostel zu senden und verspricht sich davon ein heilsames Eingreifen.

Die Antwort fällt freundlich, aber recht unverbindlich aus. Zukünftig wird sich der BAP KH. Schumacher selbst der Sache annehmen. Es sollen weitere Gespräche folgen. Aus Zeitgründen könne sich der Stammapostel nicht selbst der Sache annehmen. Später wird er noch auf die Selbständigkeit der Gebietskirche hinweisen.

Ein weiterer, nicht ganz ernst gemeinter Hilferuf an BAP Klingler soll auf die unverständliche Situation hinweisen, dass eine Gemeinde wie Blankenese in Norddeutschland unter Druck gerät, während sie doch weitgehend dem von Hannover angestrebten Idealbild einer aktiven NAK-Gemeinde entspricht. BAP Klingler antwortet am 29.05.2007.

 

9. Gesinnungsprüfung aller Blankeneser Amtsträger

Am 6.12.2006 hält BAP KH. Schumacher einen Gottesdienst in Blankenese, in welchem er der Gemeinde die Gedanken aus dem Stammapostelgottesdienst von Osnabrück sehr nahe bringt. Im Anschluss an den Gottesdienst verliest er den Brief des Stammapostels. Auf die Frage von Bruder E.Z, wie es denn nun mit der Gemeinde weitergehen solle, findet er lediglich die Antwort: „Dem Brief des Stammapostels ist nichts hinzuzufügen.“ Bereits hier entstehen die ersten Zweifel, ob der vom Stammapostel gewünschte Dialog wohl stattfinden wird…

In diesem Gottesdienst ist u. a. auch Bruder Michael Koch vom Internet-Verlag glaubenskultur.de anwesend, welcher nach diesem Gottesdienst über die weiteren Entwicklungen berichten wird.

In der örtlichen Amtsträgerbesprechung am 12.12.2006 liest der Bezirksapostel noch einmal wesentliche Passagen aus dem Gottesdienst von Osnabrück im Wortlaut vor und fordert alle Blankeneser Amtsträger auf, dazu eine Stellungnahme bis zur nächsten Zusammenkunft abzugeben. Gleichzeitig bekundet er sein Unverständnis über die Gottesdienstteilnahme „bestimmter Medienvertreter“.

In einer weiteren Ämterbesprechung am 11.01.2007 erträgt Diakon L.R. den Druck und die angespannte Stimmung nicht länger und erklärt seine sofortige Amtsniederlegung mit dem Hinweis: „Ich kann nicht mehr. Ich halte es nicht mehr aus, dass auf meiner Seele rumgetrampelt wird“. Nach einem Dank an den Vorsteher, welcher ein selbständiges Christsein ermöglicht habe, verlässt Bruder L.R. den Raum. Wenige Augenblicke später folgt ihm Priester O.J. unter Protest. Er erklärt am Folgetag schriftlich seine Amtsniederlegung.

Am 20.02.2007 folgen zwei Gespräche des Stammapostels mit Bruder O.J. und anschließend mit Priester G.S., jeweils unter Anwesenheit von AP R. Krause. Beide Gespräche unterscheiden sich vollständig von allen früheren Befragungen in der Hamburger Kirchenverwaltung. Sie sind von Warmherzigkeit und Offenheit geprägt. STAP W. Leber hört zu, antwortet konkret und ist nicht nur an der Vermittlung seiner Auffassung, sondern auch am Verstehen des anderen interessiert. Die Gespräche enden mit dem bedeutungsvollen Satz des Stammapostels: „Es ist gut, dass ich mir einmal ein eigenes Bild verschaffen konnte.“ Er weist aber wiederum darauf hin, dass er keine Entscheidung treffen könne, gerne aber zu der Entscheidungsfindung beitragen wolle.

Es folgt eine weitere Ämterbesprechung am 6.3.2007 mit dem Bezirksapostel, welche allerdings kaum diese Bezeichnung verdient. Ein Gutteil an Frust und Ärger über die Gemeinde Blankenese wird auf die Anwesenden abgeladen. AP R. Krause kündigt an, dass er die nächsten ein bis zwei Jahre einmal im Monat die Gemeinde besuchen wird.

Mit Datum vom 11.04.2007 wird den Diakonen T.H., M.R. und H.V. schriftlich die Amtsenthebung mit sofortiger Wirkung mitgeteilt. Mit gleichem Datum erhält Priester G.S. den Hinweis, dass er wieder uneingeschränkt tätig sein dürfe. Dies sei nicht zuletzt auf die Intervention des Stammapostels zurückzuführen. Gleichzeitig kündigte AP R. Krause eine aufmerksame Beobachtung an, verbunden mit dem Hinweis, dass ein Abweichen von der offiziellen Lehrposition der Kirche die unmittelbare Amtsenthebung ohne weitere Gespräche zur Folge hätte.

 

10. Gemeindestunden mit den Aposteln

Einen ersten Gemeindeabend unter Apostelbeteiligung gab es bereits am 06.07.2006. An diesem Abend wird deutlich, was die Gemeinde bewegt: Sie wünscht sich einen Jesus-zentrierten, Evangeliums-betonten und wahrhaftigen Predigtdienst. Die Beurlaubung von Priester O.J. trägt dazu nicht bei und ist schon deshalb besonders schwerwiegend, weil er diesem Bedürfnis stets in besonderer Weise entsprach. Apostel R. Krause macht jedoch deutlich, dass er handeln müsse, wenn jemand nicht „voll hinter den Lehraussagen der Kirche“ stehe. Das sehen einige wenige Geschwister ebenso streng. Schwester S.W. fragt, was denn mit den Lehrkräften sei? Eine „faule Kartoffel“ stecke schließlich alle anderen an. Sie wolle nichts von Jesus hören, sondern wie früher vom Apostelamt. Dies sei sie auch ihren Kindern schuldig. Sie wolle keine Änderungen. Apostel R. Krause antwortet, dass er alles dafür tun wolle, dass es wieder genauso werden würde, wie früher. Wie er dies bewerkstelligte, ist insbesondere unter den Punkten 8 und 10 nachzulesen.

Bevor Bezirksapostel KH. Schumacher seine Fahne in Blankenese einrollte, gab es noch einmal ein „Highlight“ im Terminkalender der Gemeinde: Einen Gemeindeabend mit Bezirksapostel, Apostel, Bischof, Bezirksältestem usw… Die Blankeneser Geschwister äußerten die Bitte, dass dieser Abend durch einen unabhängigen Mediator moderiert würde, da man mittlerweile eine gewisse Erfahrung mit den Machtdemonstrationen der Amtshierarchie machen durfte. Ein anerkennendes Staunen ging durch die Gemeinde: Bezirksapostel Schumacher kam dieser Bitte nach! Eingeflogen wurde der Theologe der NAK-International: Priester R. Kiefer, ehemals zum evangelischen Glauben konvertiert, dann jedoch reumütig zurückgekehrt („Ich vermisste die Heimat“) und seines Zeichens studierter Theologe, inzwischen im vollzeitlichen Dienst der Kirche. Es gab einen Vorbereitungsabend: Am 08.02.2007 hielt BAP KH. Schumacher einen Gottesdienst in der Gemeinde, im Anschluss gab es ein Vorbereitungsgespräch zwischen Priester R. Kiefer und der Gemeinde. Die Apostel verzichteten auf eine Teilnahme, um eine persönliche Atmosphäre entstehen zu lassen. Lediglich der Bezirksälteste wurde zur Aufsicht eingeteilt.

Der Abend bot durchaus interessante Aspekte. Priester Kiefer verstand es, den Rahmen zu erläutern: Die NAK sei eine Amtskirche und werde es immer bleiben. Wer meine, die Mittlerfunktion des Amtes zwischen dem Gläubigen und Jesus Christus umgehen zu können oder nicht zu benötigen, der solle sich die Frage stellen, ob er in dieser Kirche richtig sei. Einigen Geschwistern wurde an diesem Abend klar, dass es sehr grundlegende Unterschiede gab zwischen dem, was in der Bibel steht („Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“) und dem, was die Amtskirche ausmacht („Niemand kommt zum Sohn, denn durch uns.“). Priester Kiefer konnte jedoch zuhören und erweckte den Eindruck, dass er das Anliegen der Gemeinde verstünde.

Am 13.02.2007 war es soweit: Der Gemeindeabend begann. Bereits die etwa 15minütige Einleitung des Bezirksapostels machte deutlich, dass eine unabhängige Moderation nicht stattfinden würde. Sehr deutlich wird noch einmal formuliert, dass man von allen Amtsträgern erwarte, dass sie zu 100% hinter den Lehraussagen der Kirche stünden. Den Einwand, dass es eine Vielzahl von Amtsträgern gebe, die genau das nicht tun, lässt man nicht gelten. Es gebe keine solchen Fälle. Die Frage einer Schwester, ob man denn auch außerhalb von Blankenese die Amtsträger zu schriftlichen Stellungnahmen auffordern würde und welches Ergebnis sich aus einer solchen flächendeckenden Befragung wohl ergeben würde, löst nicht gerade Freude bei den Aposteln aus. Auch der Hinweis, dass es konkrete Fälle im Bezirksämterkreis gebe, die den hochgesteckten Erwartungen der 100%igen Übereinstimmung in Lehrfragen nicht gerecht würden, wird als nicht nachprüfbar und unglaubwürdig abgetan. Die Energie der Geschwister nimmt proportional mit dem Wachsen der Erkenntnis ab, dass hier eine Kirchenleitung steht, die sich geschworen hat, nicht einen Zentimeter von ihrer Position abzuweichen. Man beginnt zu ahnen, dass es zu weiteren Bedrängnissen kommen wird.

An einem dritten Abend, „zufällig“ der 12.04.2007, also der Tag, an dem die Diakone ihren „Amtsenthebungsbrief“ erhalten haben, kommt Apostel R. Krause schließlich mit dem wwb-Kreis zusammen. Er betont, dass er diese Institution begrüße. Blankenese sei eine glaubensstarke und aktive Gemeinde. Sicherlich hätten die Apostel nicht immer alles richtig eingeschätzt. Die Anwesenden bemängeln, dass es zu dem befürchteten „Schreckensszenario“ (Amtsenthebung von drei Brüdern) gekommen sei. Dies – so Apostel Krause – sei unumgänglich gewesen. Die Apostel würden die Lehre definieren, die sich „letztendlich auch an das Evangelium anlehne“. Da, wo man Sündenvergebung und Geistspendung ohne Apostolat für möglich halte, sei eine Grenze überschritten, die eine Amtstätigkeit unmöglich mache. Es habe sich aber nicht um eine Machtdemonstration gehandelt, das hätte man „schneller gekonnt“. Man habe lange überlegt und nicht "aus der Hüfte geschossen". Auf die Frage, ob jetzt wieder „durchgeladen“ würde, versichert Apostel R. Krause, dass keine weiteren Enthebungen von Amtsträgern geplant seien. Wer auf diese Formulierung genau geachtet hat, hätte den nächsten Schritt erahnen können:

Gedenkstein

 

11. Lehrverbot für eine Sonntagsschullehrerin

Ein weiteres Beispiel für das verantwortungsvolle und einfühlsame Vorgehen der Segensträger?

Am Sonntag den 15.04.07, nach dem Gottesdienst, in dem die drei Diakone ihres Amtes enthoben wurden, bittet Bezirksältester J.Steinbrenner die Vorsonntagsschullehrerin C.J. um ein 2-minütiges (!) Gespräch. Er teilt ihr kurz auf der Empore mit, dass sie mit sofortiger Wirkung ihre Funktion als Lehrkraft nicht mehr ausüben darf. Als Be­grün­dung wird ihr mitgeteilt, sie wisse ja warum und es hätte ja schon diverse Gespräche mit Apostel R. Krause und auch mit ihm gegeben. Schwester C.J. ist über diese Begründung sehr erstaunt, da die Gespräche mit dem Apostel bislang ausschließlich ihren Mann, den beurlaubten Priester O.J., betroffen hatten. In diesen Gesprächen war es nie um ihre Arbeit gegangen, der Bezirksälteste hatte nie zuvor ein Gespräch mit ihr geführt. Als die Lehrkraft Schwester B.N. dazu kommt und fragt, warum sie denn nicht auch auf ihre Einstellung geprüft wird, wird sie durch den Bezirksältesten J.Steinbrenner abgefertigt, dass sei z.Zt. kein Thema und er müsse jetzt auch zu den Brüdern in die Sakristei..

Den Schwestern ist klar, dass Schwester B.N. die Kinder nicht alleine betreuen kann. Sie gehen in die Sakristei, um diesen Punkt zu klären. Der Bezirksälteste versichert, dass die Betreuung der Kinder gewährleistet sei. Nach mehrmaligem Nachfragen nennt er eine Schwester als Nachfolgerin, die zu diesem Zeitpunkt „von ihrem Glück“ noch gar nichts weiß. Sie hatte den beiden Schwestern kurz zuvor mitgeteilt, dass sie aus be­ruflichen Gründen leider die Vorsonntagsschüler gar nicht mehr betreuen könne. Die beiden Schwestern werden aus der Sakristei hinauskomplimentiert.

Für den nächsten Sonntag ist ein besonderer Gottesdienst für die Vorsonntagsschü­ler mit Apostel R. Krause vorbereitet. Die Schwestern weisen den Bezirksältesten auch darauf hin. Dieser „erlaubt“ Schwester C.J. die Kinder zum Gottesdienst zu fahren. Die Schwestern werden ein zweites Mal aus der Sakristei hinauskomplimentiert. Als der Bezirksälteste später die Sakristei verlässt, teilt er Schwester C.J. mit, dass sie die Kinder nun doch noch bis zu den Sommerferien betreuen dürfe, um einen guten Über­gang für die Kinder zu gewährleisten.

Dazu ist zu bemerken, dass Apostel R. Krause in der Ämterversammlung drei Tage zuvor in Bezug auf die Beurlaubung des Konfirmandenlehrers Diakon B.D. (3 Monate vor der Konfirmation! War wirklich ein „schönes“ Geschenk für die Konfir­manden und hat einige Packungen Taschentücher gekostet...) eingeräumt hatte, dass dies keine gute Lösung für die Konfirmanden gewesen war.

Innerhalb von 20 Minuten auf so eine Art und Weise „gekündigt und wieder eingestellt“ zu werden - Schwester C.J. ist völlig sprachlos über so ein Verhalten. - Warum fällt es immer noch so schwer, das Seminar „Dienen und Führen“ in die Praxis um zu setzen? - Sie teilt dem Bezirksältesten mit, dass sie unter diesen Bedingungen ihre Aufgabe nicht ausfüllen kann und bittet um Antwort, um für den bevor­stehenden Kindergottesdienst zu planen. Schwester C.J. begleitet die Kinder schließlich doch zu dem Apostelgottesdienst. Sie ist sehr verwundert, dass der Apostel sich von ihr verabschiedet ohne auf ihre Situation einzugehen.

An dem vereinbarten Gespräch mit dem Bezirksältesten nehmen Vorsonntagsschullehrerin B.N. und - auf Wunsch von Schwester C.J. – auch die Bezirksbeauftragte für die Vor­sonntagsschulkräfte Schwester K.F-M. teil. Schwester C.J. bekundet in dem Gespräch immer wieder, dass sie daran glaubt, dass durch die Handauflegung eines Apostels der Heilige Geist empfangen werden kann, sie es aber der Souveränität Gottes überlassen möchte, ob und wem Gott noch den Heiligen Geist gibt. Der Bezirksälteste teilt ihr mit dass er ihre wirkliche Einstellung ja kennen würde... Außerdem habe der Apostel die Entscheidung getroffen. So zeigt sich, dass die Entscheidung schon lange getroffen war und dass der Bezirksälteste kein weiteres Interesse an einem gegenseitigen Verstehen hatte.

Als Schwester B.N. bekundet, dass sie inhaltlich der gleichen Ansicht wie Schwester C.J. sei, weicht der Älteste immer wieder aus und betont, dass dies nicht zur Diskussion stände… Obwohl der Apostel angekündigt hatte, dass nach den Amtsträgern nun auch die Funktionsträger auf ihre Gesinnung überprüft werden sollen, finden keine weiteren Befragungen von Funktionsträgern statt.

 

12. Unser Vorsteher tritt zurück

Unser über alles geliebter Vorsteher. Viele Jahre hat er uns in seiner bescheidenen, verständigen Art gedient. Er hat es der Gemeinde ermöglicht zu wachsen, in der Jesusliebe zu wachsen und einen lebendigen Glauben zu leben. Er hat uns die – in späteren Gemeindeversammlungen – geforderten inhaltsreichen Gottesdienste ermöglicht.

Seine sanfte Führung hat der Gemeinde eine Beteiligung an ihrer Entwicklung eingeräumt, wir haben den Wert selbst- und gemeinsam erarbeiteter Erkenntnisse schätzen gelernt. Unser Vorsteher Priester R.K. hat uns in Gesprächskreisen an der Entwicklung unseres Glaubens beteiligt. Wir waren eine lebendige, glückliche Gemeinde.(siehe Heile Welt)

Erst spät haben wir erfahren, wie sehr er sein Kreuz für uns breit machen musste, wie viel Unverständnis und Ablehnung er von seinen „Vorangängern“ erfahren hat. Er hat sein Herzblut für seine Gemeinde, sein Lebenswerk gegeben. Unter den Belastungen des Gemeindekonflikts hat seine Gesundheit stark gelitten. Bereits 2000 musste er aus gesundheitlichen Gründen einige Monate von seiner Vorsteheraufgabe pausieren.

Immer hat er versucht die Ansprüche seiner Gemeinde mit den Anforderungen der Kirchenleitung überein zu bringen. Das hat ihn erschöpft und aufgerieben. Die Überprüfung des Amtskörpers seiner Gemeinde, die Auseinandersetzungen in den Gemeindeabenden, der Verlust der abwandernden Geschwister haben ihn entkräftet. Niemandem hätte es gelingen können die immer größer werdenden Differenzen auszugleichen, er hat es dennoch versucht.

Nach Ende seiner Missionsaufgaben in Russland kehrt der Evangelist W.N. in seinen Bezirk zurück. Die nahe liegende Lösung den Vorsteher einer blühenden, schnell wachsenden Gemeinde nach langer Tätigkeit ins Hirtenamt zu setzen und den Evangelisten dann in seine Gemeinde wieder aufzunehmen, wird verschmäht. Ein merkwürdiges und kränkelndes Konstrukt wird geschaffen: Priester R.K. bleibt zunächst Vorsteher, die Gottesdienste hält aber der „vorgesetzte“ Evangelist, seinem höheren Amt zufolge. Die Demut unseres Priesters R.K. erträgt alles, er möchte noch immer retten, was zu retten scheint.

In einem Gottesdienst mit Bischof W.N. wird vor dem offiziellen Vorsteherwechsel bekannt, dass Priester R.K. zurücktreten wird. Die Gemeinde ist in Tränen aufgelöst und hat ihren schmerzlichen Höhepunkt an Trauer. Ein Schreiben wwb’s an Apostel R. Krause mit der Bitte bei der Wahl des neuen Vorstehers auf den Vorschlag unseres alten Vorstehers zu hören, denn er kennt uns am besten, wird erwartungsgemäß ignoriert. Der nüchterne Gottesdienst und Vorsteherwechsel durch unseren Apostel ist weit weniger emotional als der vorherige. Jedes Gemeindemitglied überreicht unserem zur Ruhe gesetzten Vorsteher symbolträchtig drei verschiedenfarbige rote Rosen.

Auf Intervention des Apostels, der auf keinen Fall die Schuld an der Aufgabe von Priester R.K. zugewiesen bekommen möchte, dient er weiter als Priester und versieht auch Diakonendienste, als der Amtskörper durch die Amtsenthebungen ausgeblutet ist. An dem Zerfall seiner Gemeinde, immer stärker leidend, versieht er mit letzter Kraft seinen Liebesdienst an der Gemeinde. Von den drei Standbeinen der Gemeinde, den Priestern, dem Chor und dem Vorsteher ist jetzt eines weg gebrochen: die Gemeinde ist nicht mehr zu retten.

Auch unserem Priester R.K. muss klar sein: die Gemeinde stirbt. Versteht er sich immer noch als der Kapitän, der sein untergehendes Schiff als Letzter verlassen möchte?

 

13. Gedenkstein des Anstoßes

Nach einer »Traueranzeige«, mit einem schwarzumrandeten Text, die wir in jedes Gesangbuch gelegt hatten (»Plötzlich und unerwartet wurden Thomas, Harry und Michael aus ihrer Arbeit für die Gemeinde gerissen. Wir sind traurig«), legten wir am folgenden Sonntag einen Gedenkstein in den Eingangsbereich vor das Kirchengebäude, um unserer Betroffenheit nochmals Ausdruck zu verleihen. Der Stein trug die Aufschrift: »Hier ruhen die Amtsgaben und Aufgaben von Claudia, Harry, Lars, Michael, Oliver, Rüdiger und Thomas«.

Der Bezirksälteste Steinbrenner, der den Gottesdienst hielt, reagierte in seiner Predigt verständnisvoll: Jede Trauer sei verständlich, der Umgang mit Verlust unterschiedlich, ihre Dauer nicht von außen zu bestimmen, und das sei in Ordnung, hieß es sinngemäß. 30 Stunden später war der Stein allerdings entfernt worden, ebenso wie die beiden schlichten Kreuze, die der Diakon a. D. H.V. geschmiedet hatte und die sich in Sakristei und Gemeindesaal befanden. Kirchenleitung als Kreuzes(weg)träger.

Die Möglichkeiten einer Gemeinde, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sind bekanntlich sehr begrenzt. Neben dem Chorgesang kommt eigentlich nur noch der Altarschmuck in Frage. Seit der Amtsenthebung unserer drei Diakone war der Altar mit Insignien der Trauer geschmückt (schwarzes Tuch, weiße Blumen, brennende Kerzen). Dies gab unsere Stimmung gut wieder.

 

14. Das Kreuz als Provokation?

Ein Blankeneser Bruder belegte in seiner Freizeit einen Schmiedekurs. Wie es damals so um Blankenese bestellt war, entstanden draus keine Schwerter sondern Kreuze. Schlichte Metallkreuze. Ein großes wurde in dem Gemeinderaum, ein kleines in der Sakristei aufgehängt. Wir freuten uns! Und wer H. den Schmied in seiner sanften, liebevollen Art kennt, musste auch diese Kreuze lieben!

Als der Apostel R. Krause das Kreuz in dem Gemeinderaum entdeckt, äußert er sein Missfallen. Wir haben nie verstanden, was ihm daran nicht gefallen konnte. War er nicht gefragt worden? Er verglich das Aufhängen der Kreuze mit dem Aufhängen von Bildern in seiner Küche. Hat er einen persönlichen Besitzanspruch auf die Kirchengebäude?

Apostel R. Krause schreibt uns, dass alle Kreuze in den neuapostolischen Kirchen durch Embleme ersetzt werden sollen, dass aber die finanziellen Mittel fehlten, sie auf einen Schlag auszutauschen. Wenn für diesen Prozess weite Zeiträume geplant sind, warum muss der Apostel so unsensibel sein, in unserer hochexplosiven Situation ausgerechnet die Kreuze in Blankenese als Erste zu entfernen? Wie auch immer - Apostel R. Krause nutzt die Gelegenheit. Als er Handwerker beauftragt den Gedenkstein zu entfernen, werden diese im gleichen Zug beauftragt die Kreuze zu entfernen. In kurzer Folge nennt Apostel R. Krause uns drei verschiedene Begründungen:

 

  1. Das Anbringen eines Kreuzes ist eine Provokation, „Man hängt nicht bei fremden Leuten Bilder auf“.
  2. Es gibt einen Beschluss der Bezirksapostelversammlung, in neuapostolische Kirchen gehörten keine einfachen Kreuze, sondern ausschließlich Embleme!
  3. In der offiziellen Stellungnahme: das Kreuz ist dem Altarraum vorbehalten. Ein Kreuz ist viel zu heilig für einen Gemeinderaum!?

 

Was denkt er wirklich? Wir werden es nie erfahren. Erfahren haben wir aber seine Motivation. Zweimal verwandte der Apostel den Begriff, er habe "zurückgeschlagen"! Zurückgeschlagen? Niemals haben wir unseren Apostel schlagen wollen. Wenn er es dennoch so empfunden hat, entschuldigen wir uns dafür. Des Apostels Genugtuung bei dem Entfernen der Kreuze empfanden wir jedoch als eines Apostels unwürdig, es hat uns schwer verletzt.

In der Folgezeit bemühte Apostel R. Krause sich um eine emotionale Annäherung an die Gemeinde und räumte in einem Allgemeinplatz sogar eigene Fehler ein. Wie oft haben wir die großzügige Geste erbeten uns die Kreuze zurückzugeben. Wie eindringlich haben wir den Evangelisten W.N. und den Bezirksältesten J.Steinbrenner gebeten, sich für das wieder Anbringen der Kreuze zu verwenden und damit unsere aufgewühlte Gemeindesituation ein Stück weit zu befrieden! Was hätte der Apostel durch eine Rückgabe verlieren können? Nichts! Er hätte nur gewinnen können und alle anderen mit ihm.

Sehr schade!

 

15. Solidaritätsdressen

Irgendwann und irgendwie wird die Forenszene im Internet auf uns aufmerksam. Wollen wir diese Öffentlichkeit? Zunächst nicht! Wir wollen unsere Probleme mit dem Verständnis unserer Apostel leise und in Frieden lösen. Das eine oder andere erscheint dann trotzdem. Die Veröffentlichungen stimmen auch nicht immer ganz. Apostel KH. Schumacher ist wütend.

Später nehmen unsere Apostel das Problem im Internet ernst: es gibt Gegendarstellungen auf offiziellen NAK-’Seiten’. Im Gottesdienst bekommen wir mehrfach Besuch bekannter Autoren des Internets. In der aktuellen, heißen Diskussion geraten wir in eine Reihe, die wir uns nie hätten träumen lassen:

Uster – Osnabrück – Blankenese.

War Osnabrück gar die Reaktion auf unsere Situation in Blankenese? Die Probleme werden drängender, Aktionen und Reaktionen schaukeln sich hoch, Lösungsversuche, Treffen und Gespräche füllen den Terminkalender. Spüren wir bei jeder Gelegenheit, dass unsere Apostel uns inhaltlich nicht verstehen (wollen), so haben sie doch sehr viel Zeit für uns.

Wir fangen an selbst im ’Netz’ zu lesen. Einer Lösung unsrer Probleme kommen wir dadurch nicht näher, wir entdecken eher weitere Problemfelder. Waren wir in Blankenese lange glücklich gewesen und haben so manchem Problem nur geringe Bedeutung beigemessen, so taten sich immer neue Widersprüche und Ungereimtheiten vor uns auf. Ihre Bedeutung für jeden einzelnen wuchs. Die Unbeweglichkeit der Kirchenleitung ließ uns ahnen, dass wir in naher Zukunft Entscheidungen zu treffen hätten.

So wie unsere Gemeinde Bindungskraft und Harmonie einbüßte, erlebten wir die Aufgehobenheit in einer – zuvor unbekannten – ’Internetgemeinde’.

Viele unserer entfernt wohnenden Geschwister gaben sich viel Mühe Adressen und Telefonnummern zu ermitteln. Zahllose Briefe und Anrufe herzlich verständiger Glaubensgeschwister kamen uns zu Gute. Ganze Gemeinden sammelten Unterschriften auf ausgesuchten Postkarten. Diese Zuwendung hat uns überrascht und erfreut. Leider lag es nicht in der Macht dieser lieben Menschen uns den Weg zurück in den Schoß der Kirche zu ermöglichen und diejenigen die diese Macht haben, legten uns immer nur weitere Steine in den Weg.

Wir danken der Internetgemeinde für ihr warmherziges Verständnis!

 

16. Beten erlaubt?

…oder wie es kam, dass Blankeneser Geschwister in ihrer Kirche nicht beten dürfen.

Eigentlich hat „mal wieder“ der Stammapostel „schuld“ bzw. ist das alles nur passiert, weil Geschwister umsetzen wollten, was sie im Gottesdienst gehört hatten. Im Pfingstgottesdienst 2007 bezeichnet der Stammapostel das Gebet als Weg, um in das Wesen Jesu Christi hinein zu wachsen.

Schwester C.J. greift den Impuls, auch wegen der angespannten Situation in Blankenese, auf und schreibt einen Artikel für „Christ im Dialog“. Im Hinblick auf das Misstrauen, das einige Wenige hegen, verschickt sie diesen Artikel an möglichst viele Blankeneser. Sie will damit verhindern, dass gesagt wird:“ “Die“ treffen sich wieder, um „gegen“ die Kirche zu beten...“

Am darauf folgenden Mittwoch bleiben vier Geschwister in der Kirche und beten zusammen. Schwester C.J. erhält per Mail den Hinweis, sie hätte den Vorsteher vorher fragen müssen. Einen Mittwoch später fragt sie den Vorsteher Evangelist W.N., ob es in Ordnung sei, wenn bei Bedarf noch im Gemeindesaal kurz zusammen gebetet würde. Der Vorsteher lehnt dies mit der Begründung ab, dass es schon genug Veranstaltungen gäbe. (Bemerkung: Zu diesem Zeitpunkt werden viele Veranstaltungen kaum noch besucht.) Sie bittet ihn, sein „Nein“ zu überdenken. Als keine Reaktion erfolgt, wendet sich Schwester C.J. schriftlich an ihn. Das gemeinsame Beten wird zunächst in Privaträume verlegt.

Der Vorsteher Evangelist W.N. bittet um einen Gesprächstermin. Da Schwester C.J. keine Einzelgespräche mehr erträgt, willigt er ein, dass alle Betroffenen daran teilnehmen dürfen. Das folgende vierstündige Gespräch wird mit dem Ergebnis beendet, dass man sich bis auf weiteres nicht in der Kirche zum Beten versammeln dürfe. Evangelist W.N. will das Thema mit dem Bezirksapostel und Apostel R. Krause besprechen, der mehrfach sein Unbehagen dem Rundgebet gegenüber bekundet hatte. Dieses Gespräch ist so deprimierend, dass anschließend bei den meisten Geschwistern gar kein Bedürfnis mehr besteht, in dieser Kirche noch zu beten...

Als Antwort erhalten wir in einer Gemeindestunde die Nachricht, dass auch in den Bibelstunden nicht mehr in Form eines Rundgebets gebetet werden dürfe. Wir sollen bei der „gewohnten“ Gebetspraxis bleiben und uns einfach intensiver mit dem Gebet des Amtsträgers verbinden, so hätte der Stammapostel sein Dienen an Pfingsten gemeint. (Bemerkung: In den Bibelstunden ist es liebe Gewohnheit geworden, reihum zu beten. Wer nicht möchte gibt weiter. Das funktioniert gut. Es gibt Geschwister die immer, - die manchmal, - die selten oder – die auch gar nicht (laut) beten möchten.)

Die Gemeinde ist geschockt! Mehrere Gemeindemitglieder schildern sehr bewegt, wie viel ihnen das gemeinsame Gebet bedeutet. Eindringlich wird der Vorsteher gebeten, sich für das gemeinsame Gebet (wie es z.B. auch in der Mission üblich ist) bei dem Bezirksapostel zu verwenden. Auf seine Nachfrage hin lässt der Bezirksapostel mitteilen, dass weiter gemeinsam gebetet werden dürfe, wenn das Bedürfnis bestehe, die Geschwister sich einig seien und wenn niemand genötigt werde.

Ab jetzt hat Gebet in der Kirche einen bitteren Beigeschmack. ...Was wirds tun wenn sie nun alle vor ihn treten und zusammen beten... Gern gesungen, aber in der Praxis nicht erwünscht!

 

17. Bibelstunden und AG Glaubensfragen

Die Kirchenleitung tut sich sehr schwer mit unseren drei Bibel-Hauskreisen. Zunächst wird angesagt, dass sie mit ihrem aktuellen Kapitel auslaufen sollen, faktisch also verboten werden. Nach heftigem Protest und dringlichen Bitten werden die Bibelstunden aber weiter genehmigt. Sie werden jetzt sogar offizielles Angebot der Kirche, eine Einrichtung der NAK also. Sie müssen von einem Priester angeleitet werden, so wird aus dem Hauskreis O.J. der Hauskreis Priester R.K. Später wird sogar das abschließende Rundgebet genehmigt.

Aber wohin die Reise tatsächlich gehen soll wird deutlich bei der Umgestaltung der AG Glaubensfragen in die AG "Lehre und Erkenntnis".

 

18. Rücktritt unserer Chorleiterin

1999 war ein Chorleiterwechsel notwendig geworden. Unsere Schwester L.Z., die den Bezirkskinderchor leitete und schon die Stimmbildung unseres Chores durchführte, übernahm die Leitung des Gemeindechores zusammen mit Schwester A.K.. Hatte der Chor schon zuvor unter der Leitung von Diakon O.R. sensibel und freudig gesungen, so kam es unter seiner neuen Leitung zu einer rasanten Entwicklung.

Die glückliche Zusammensetzung unseres Gemeindechores, einer vom Durchschnittsalter sehr jungen Gemeinde, bescherte uns eine ausgeglichene Stimmbesetzung. Mit der Kraft seiner inneren Überzeugung hat uns unser Chor oft tief bewegt.

Der Chor entwickelte sich musikalisch. In Projekten wurden Konzerte mit – für einen Gemeindechor – anspruchsvoller Literatur vorgetragen. Konzerttouristen anderer Gemeinden waren regelmäßig unsere Gäste. Die Literatur aus diesen Projekten ergänzt das umfangreiche Repertoire des Chores auch im Gottesdienst. Besondere Veranstaltungen waren: 700 Jahre geistliche Musik, ein Passionskonzert, Jesu meine Freude und die Veranstaltungen zum Todestag von Dietrich Bonhoeffer und Paul Gerhard.

Der Chor entwickelte sich innerlich. Die in ihrer Musikalität, Emotionalität und Spiritualität sehr unterschiedlichen Sänger wuchsen zu einer eng verbundenen Gruppe zusammen. Mit wechselseitiger Toleranz und mit Liebe sowohl zueinander, als auch zur Musik und zu ihrem Dienst entstand eine starke, die Gemeinde tragende, Gruppe.

Der Chor entwickelte sich geistlich. Durch seine Stärke wurde er zu einem wesentlichen Moment der Gottesdienste. Intensiver Austausch zwischen Altar und Chor haben uns viele außergewöhnliche geistliche Momente bereitet. Der Chor wurde zu einem festen Standbein einer sehr lebendigen Gemeinde.

Ihre Liebe zum Chor und zur Musik ließ unsre Dirigentin L.Z. noch viele Monate den Verfall der Gemeinde ertragen und die Differenzen zwischen dem Erlebten und den Maßgaben der Kirchenleitung überbrücken. Innere Kämpfe und der Fortschritt des Zerfalls der Gemeinde mussten aber schließlich doch zur Aufgabe führen. Unsere Dirigentin hat Ende 2007 ihre Chorleitung beendet und ist inzwischen aus der Kirche ausgetreten. Ein weiteres außerordentlich wichtiges Standbein unserer Gemeinde ist damit gebrochen.

Zum Verständnis der Rolle des Chores in unserer Gemeinde siehe bitte die Stellungnahme unserer Chorleiterin zum Profil des Chores.

In der nächten Folge dieser Reihe wird diese Chronologie durch diverse orginale Briefe und Dokumente ergänzt, die die hier vorliegenden Texte anschaulich und ganz authentisch belegen.

div. (NdRb) für wwb